Die Heilig-Geist-Kapelle in Kempen

Die Heilig-Geist-Kapelle in Kempen heute –
und in Zukunft


VIII. Berichterstattung der Rheinischen Post vom 14.3.2012:

http://www.rp-online.de/niederrhein-sued/kempen/nachrichten/idee-kapelle-als-kirchenladen-1.2752689

VII. Was wir nun vom Kirchenvorstand und vom Propst im Sinne der Gemeinde erwarten:

  • Die weitere Verwendung der Heilig-Geist-Kapelle und deren Hintergebäude muß vom Pfarrgemeinderat fundiert beraten werden. Ein solches gemeindliches Gebäude mitten in der Stadt mit einer wichtigen gemeindlichen Funktion kann nicht einfach hinter den Kulissen vermietet und zu einer Farce des kirchlichen Lebens gemacht werden!
  • Wenn etliche Gemeindemitglieder zum Ausdruck bringen, daß schon rein funktional diese Buchhandlung für sie sehr wichtig ist, muß auch der Vorschlag geprüft werden, den wir bereits im vergangenen Herbst dem Kirchenvorstand gemacht hatten: nämlich die Kapelle als einen sogenannten „Kirchenladen“ zu betreiben. Etwa in Bonn (mit dem „Münsterladen“, aber auch in anderen Städten) läuft so etwas seit Jahren sehr erfolgreich: Da wird von einem Trägerverein ehrenamtlich der Buchladen betrieben und das Warenangebot nach den Wünschen der Gemeindemitglieder gestaltet. Zusätzlich denkbar wäre es, auch das antiquarische Angebot zu verstärken.
    Sehr für eine solche Lösung spricht die Tatsache, daß die Gemeinde die – von Fachleuten hoch gelobte! – begehbare Regalkonstruktion in der Kapelle rein im Modus der Verrechnung erwerben könnte, also nicht einmal dafür etwas zahlen müßte. Das sind ideale Voraussetzungen, wie sie nur sehr selten zusammenkommen!
  • Dabei sei ergänzend angefügt, daß es bei einem solchen Vorschlag nicht darum geht, die CHOROS-Buchhandlung unter anderen Vorzeichen fortzuführen. Eine Geschäftsführung von Gereon Vogler wird es bei einem solchen Projekt nicht geben.

    Dennoch kann das, was hier für diesen Raum aufgebaut wurde – so auch die Praxis, hier gelegentlich kulturelle Veranstaltungen durchzuführen –, beibehalten oder weitergeführt werden.
  • Die Behauptung des Kirchenvorstandes, man müsse einfach eine solche (!) Miete erwirtschaften für den Erhalt des Gebäudes, ist erst noch einmal zu belegen. Wir haben seit Mietbeginn ca. 90.000 € (brutto) an Kaltmiete an die Propsteigemeinde gezahlt. In der gleichen Zeit hat es nur einige sehr überschaubare Reparaturen in dem Gebäudekomplex Kapelle und Hinterhaus gegeben. Es muß definitiv ein nennenswerte Instandsetzungsbudget für das Gebäude angespart worden sein. Zudem ist es nicht legitim, wenn – wie mehrfach geschehen – der Kirchenvorstand mit den Baukosten von 1990 als noch zu tilgende argumentiert. Denn 1990 wurde die Kapelle zu einem ausschließlich liturgischen Raum umgebaut, und bei einem solchen steht von vornherein fest, daß er keine Einnahmen erwirtschaften wird, im Gegenteil ist er stets ein Kostenfaktor. Das war damals unbestritten klar, und heute wird nun so argumentiert, als müsse der Mieter der Räumlichkeiten diese eben damals ganz anders verstandenen Investitionen abgelten. So geht es aber nicht!

VI. Stellungnahme zur Berichterstattung der Westdeutschen Zeitung vom 12.3.2012:

Durchgängig sind in den Stellungnahmen von Propst Eicker die Kosten der Kapelle – wohlgemerkt nicht die angefallenen, sondern die zu erwartenden – der Ausgangspunkt seiner Argumentation, aus dem er folgert, daß entsprechende Mietzahlungen erzielt werden müßten. So kann man bei einer gewöhnlichen Immobilie ansetzen, aber nicht bei der Heilig-Geist-Kapelle mit ihrem religiösen und kulturellen Stellenwert. Die Bereicherung der Gemeinde durch das Projekt einer christlichen Buchhandlung in einem Gebäude mit der Gründeridee einer Hospital-Kapelle war ja nicht nur eine Ausgangsidee des Propstes, sondern konnte tatsächlich über Jahre hinweg realisiert werden, wenn auch nur unter Einbeziehung ehrenamtlicher Mitarbeit. Dieser ideelle Gewinn müßte zunächst grundlegend gewürdigt und anerkannt werden. Hier haben der Charakter des Gebäudes und seine Nutzung miteinander korrespondiert, hier fanden Gläubige und Suchende Ausrüstung für ihr religiöses Leben. Darum müssen die finanziellen Fragen aus der Perspektive dieser Bedeutung angegangen und gelöst werden.

Wir fragen uns, wie es denn sein kann, daß ein Spirituosen-Händler als potentieller Mieter der Kapelle überhaupt in Frage kam. Hätte nicht ein umsichtig agierender Kirchenvorstand eine solche Nutzung der Kapelle von vornherein ausschließen müssen? Nun ist dieser Interessent nur deshalb ausgeschieden, weil er von sich aus abgewunken hat.

V. Berichterstattung der Westdeutschen Zeitung vom 12.3.2012:

http://www.wz-newsline.de/lokales/kreis-viersen/kempen/was-wird-aus-der-heilig-geist-kapelle-1.931474

IV. Reaktionen von Kunden und Kempener Bürgern am 10.3.:

Wir sind noch dabei, weitere Gemeindemitglieder, Kempener Bürger und Kunden, die aus dem Umkreis eigens zu uns in die Kapelle kommen, über den aktuellen Stand zu informieren.
Währenddessen sind die ersten Reaktionen auf unseren Offenen Brief bezeichnend:
„Entsetzen“ wird immer wieder geäußert, Wut, Fassungslosigkeit, immer wieder Nachfragen, ob die Vermietung an einen Spirituosen-Händler vom Kirchenvorstand tatsächlich ernst gemeint sei, viel Resignation über die Kirche im Allgemeinen und auch über den Propst im Besonderen. Aber sehr viel praktische Trauer ist zu hören: „Ich komme heute extra aus Brüggen zu Ihnen, denn wo gibt es denn noch solch ein Angebot wie bei Ihnen?! Hoffentlich geht das hier noch weiter!“ „Das wäre aber für Kempen bedauerlich, wenn es dieses Angebot nicht mehr gäbe!“ „Dann müssen wir künftig immer nach Kevelaer fahren?“ Und immer wieder: „Das wäre für uns hier aber schade!“ Jemand erbittet eine Unterschriftensammlung gegen die Schließung und möchte sofort unterschreiben. – Ein Kunde äußert, natürlich müsse sich solch ein Gebäude rechnen, doch findet er die Weise der Nachfolgefindung hanebüchen.

III. Stellungnahme zur Berichterstattung der Rheinischen Post vom 9.3.2012:

Von der Rheinische Post befragt, kam die erste Stellungnahme des Propstes zur Kapelle seit langer, langer Zeit. Dazu nehmen wir (Bomhauer / Vogler) wie folgt Stellung:

Wenn Propst Eicker, der Vorsitzender des Kirchenvorstands, auf unseren Offenen Brief hin angesprochen, so antwortet, dass die Propsteipfarre eine „adäquate Nutzung für die Kapelle" suche, dann muß er jetzt neue gute Vorsätze gefaßt haben. Denn schon der Eintritt in Verhandlungen mit einem Spirituosen-Händler zeigt, dass der Kirchenvorstand nicht nur im Gegensatz zu den bischöflichen Richtlinien agierte, die verlangen, den Charakter des Gedäudes zu respektieren. Es wird auch deutlich, daß die bisherige Herangehensweise weder kritisch noch reflektiert war, denn eigentlich ist es nicht so schwer, hier das Passende vom Unpassenden für eine über 600 Jahre alte, gotische Kapelle im Herzen der Stadt zu unterscheiden.

Weiterhin führt der Propst aus, dass es bei einer Vermietung der Kapelle nicht um ein wirtschaftliches Interesse gehe, sondern die Mietzahlungen nur zur Instandhaltung des Gebäudes benutzt werden.
Hier scheint noch unverändert nicht verstanden zu sein, daß der Verkauf christlicher Bücher in der zentral gelegenen Heilig-Geist-Kapelle einen wesentlichen Nutzen und Wert für die gesamte Pfarrgemeinde darstellt, der ihren eigenen Zielen voll und ganz entspricht. Aus diesem Grund hatte der Propst ja auch im Jahre 2005 uns eingeladen, diese Buchhandlung in der Heilig-Geist-Kapelle zu gründen. Wenn die Zeiten nun so geworden sind (aus kirchlichen und gesellschaftlichen Gründen, wohlgemerkt!), daß ein solches Angebot nicht mehr privat zu stemmen ist, dann müßte man darum kämpfen, es gemeinsam und gemeindlich zu tragen – und es nicht einfach gegen den nächsten zahlenden Interessenten ohne jeglichen seelsorglichen Bezug auszutauschen!

Der Propst behauptet, die verlangte Miete sei „sehr günstig“ gewesen. Da darf man doch mal nachfragen: „sehr günstig“ im Vergleich und in Bezug auf was? Wird da etwa ein 9 Meter hoher, kaum heizbarer Raum ohne jedes Schaufenster mit einem üblichen Ladenlokal incl. Glasfront und Beleuchtung verglichen? Der Buchhandel gilt selbst in der Rechtsprechung als ausdrücklich renditeschwach – und hier haben wir es mit rein religiösem Buchhandel zu tun, den der Propst hier gewollt und herbeigeführt hatte.
Seitens des Kirchenvorstandes wird also erwartet, aus einer völlig eingeschränkte Standortsituation wie auch Warenvorgabe mit unbestreitbar inakzeptablen Heizbedingungen eine „angemessene“ Rendite zu erwirtschaften. Und wenn das selbst nicht einmal mit unbezahlter Arbeitszeit der Ordensschwester und des Inhabers klappt, dann behauptet man trotzdem, man sei als Vermieter „sehr günstig“ gewesen?

Das schon hier bewiesene Desinteresse etwa des Propstes an seinem ehemals eigenen Projekt muß man anreichern mit der Korrektur seiner Aussage, er habe um die ständige wirtschaftliche Bedrängnis der Buchhandlung in der Heilig-Geist-Kapelle nicht gewußt. Oh doch, hat er doch sogar eine bei uns aus wirtschaftlichen Gründen gekündigte Mitarbeierin als Sakristanin selbst eingestellt. Um nur ein Beispiel zu nennen.

II. Berichterstattung der Rheinischen Post am 9.3.:

http://www.rp-online.de/niederrhein-sued/kempen/nachrichten/buecher-raus-schnaps-rein-1.2746695

I. Offener Brief an die Mitglieder der Propsteigemeinde in Kempen vom 8.3.:

Unser Bischof hat kürzlich ausdrücklich zum Dialog in der Kirche aufgerufen. Wir möchten Sie als die Mitglieder der Propsteigemeinde um einen solchen Dialog bitten in einer Angelegenheit, der unserer Meinung nach die ganze Gemeinde und nicht nur die Experten etwas angeht:

Als im September 2005 in der Heilig-Geist-Kapelle am Buttermarkt eine religiöse Buchhandlung eröffnet wurde, war es eine Absicht, den Kempener Christen damit in der Fortsetzung der geistlichen Nutzung dieses Gebäudes einen Ort religiöser Orientierung zu geben. Als bereits nach kurzer Zeit feststand, daß der Buchverkauf in der Kapelle nie kostendeckend sein würde, konnte durch den zusätzlichen Internet-Verkauf und durch viel ehrenamtliche Arbeit, insbesondere von Schwester Consilia, die Kapelle weiter geöffnet bleiben. So fanden zahllose Menschen Rat für die religiöse Erziehung, die Liturgie und in Glaubensfragen und erhielten hier die gewünschten Materialien (Gesangbücher, Bibeln, Gottesdienstmodelle, Firmgeschenke, Kinderkreuze etc.). Die Nutzung der Heilig-Geist-Kapelle entsprach somit ausdrücklich dem Charakter des Gebäudes – gemäß den Vorgaben der deutschen Bischöfe zur Umnutzung von Kirchen.

Diese Verwendung und die konkrete Gestaltung der Kapelle bekam sehr viel Lob und Zuspruch, auch unter Fachleuten und in Fachbüchern. Viele Gläubige, die unter der bürokratischen und robusten Handhabung der Veränderungen in der Kirche leiden und die mangelnde Berücksichtigung der gemeindlichen Belange beklagen, fanden hier ein wichtiges Hoffnungszeichen für ihren Glauben. Denn jeder, der die Kapelle betritt, sieht das große Kreuz und versteht, daß hier der christliche Glaube noch präsent ist. Sehr viele Menschen kommen auch in die Kapelle, um zu erfahren, wie man einen ehemaligen liturgischen Raum adäquat weiterhin religiös gestalten kann.

Als sich abzeichnete, daß im Zuge abnehmender Buchverkäufe die anfangs vereinbarten Miet– zahlungen incl. der hohen Heizkosten nicht mehr leistbar waren, wurde der Kirchenvorstand um einen Nachlaß gebeten, damit dieses sinnvolle Projekt erhalten bleiben konnte. Mit rein wirtschaftlichen Argumenten, mit dem ängstlichen Verweis auf künftige Vorgaben des Bistums und ohne jede Berücksichtigung der besonderen kirchlichen, gemeindenahen Nutzung der Kapelle wurde diese Anfrage abgelehnt. Damit war die Kündigung des Mietverhältnisses die zwingende Folge.

Man darf fragen: Wäre es denn seitens der Gremien nicht auch möglich gewesen, sich für den Erhalt der von allen Seiten als äußerst sinnvoll angesehenen Nutzung einzusetzen oder gar dafür zu kämpfen? Wäre nicht bei der Einbeziehung der Gemeindemitglieder ein starkes Votum für die Beibehaltung, ja auch die Freisetzung von Mitteln zu erwarten gewesen?

Stattdessen wird momentan jede beliebige Nutzung der Kapelle in den Blick genommen, aktuell ist die Umwandlung in eine Spirituosen-Handlung und Destillation beabsichtigt! Damit aber würde der Charakter der ehemaligen Hospital-Kapelle, ehedem ein Ort des Heilens, vollends auf den Kopf gestellt. In einer christlichen Gemeinde darf nie die Wirtschaftlichkeit ohne die Berücksichtigung seelsorglicher Ziele im Vordergrund stehen. Und: Solange wir als Kirche uns selbst (!) wie ein insolventes Unternehmen abwickeln, werden wir nie und nimmer neue Begeisterung für die christliche Botschaft hervorrufen! Man kann mit der gegenwärtigen Situation der Kirchen ganz unterschiedlich umgehen: Man kann nach der vermuteten künftigen Kassenlage agieren, man kann aber auch einer Gemeinde etwas zutrauen, zumal wenn es sich um ein solch besonderes, im Herzen von Kempen gelegenes und auch kulturell wertvolles Gotteshaus handelt.

Es ist schnell etwas zerstört, was wieder aufzubauen lange dauern kann. Als Mitglieder der Gemeinde und als Theologen möchten wir Sie herzlich bitten, sich bei den Entscheidungsträgern mit Leidenschaft dafür einzusetzen, die Heilig-Geist-Kapelle als würdevollen kirchlichen Raum zu erhalten.

Ralf Bomhauer     Gereon Vogler

Für den Dialog mit uns steht Ihnen die e-mail-Adresse Erhalt-der-Kapelle@gmx.de zur Verfügung.